Symposium 2018

prüfen und beurteilen – auf der Suche nach Klarheit und Wahrheit

Archimedes (287-212 v.Chr.), griechischer Physiker, Mathematiker und Mechaniker verlangte, dass alles Messbare zu messen sei und alles, was sich nicht messen lasse, messbar gemacht werden soll. Im Umgang mit Lernenden ist aber nicht immer alles messbar. Man kann keine Selbst- und Sozialkompetenzen messen – oder etwa doch?

Das diesjährige Symposium „prüfen und beurteilen – auf der Suche nach Klarheit und Wahrheit“ geht genau dieser Frage nach. Multicheck trifft auf Philosophie. Archimedes trifft auf Softskills.

Referate, Moderation, Kultur

Esther Winther, Prof. Dr. rer. pol. habil., setzt sich für ein PISA in der beruflichen Bildung mit beruflichen Kompetenzmessverfahren ein. Nach Forschungsaufenthalten an der Stanford University (2008) und der University of California, Berkley (2009) folgte sie 2009 einem Ruf auf den Lehrstuhl für Wirtschaftspädagogik an der Universität Paderborn. 2014 wechselte sie als wissenschaftliche Direktorin/Vorstand an das Deutsche Institut für Erwachsenenbildung – Leibniz-Zentrum für Lebenslanges Lernen e.V. Seit 2017 leitet sie als Professorin den Fachbereich Berufliche Aus- und Weiterbildung an der Universität Duisburg-Essen, ist Geschäftsführende Direktorin des Instituts für Berufs- und Weiterbildung und Leitungsmitglied des Kompetenzzentrums für Innovation und Unternehmensgründung (IDE).

Empirische Berufsbildungsforschung gewinnt durch eine Harmonisierung und Balancierung der Lehr- und Bildungspläne, sowie der Schlussprüfungen an Bedeutung. Dies ist auch die zentrale Voraussetzung dafür, Kompetenzorientierung in die Lehr- und Lernprozesse in der beruflichen Bildung sinnvoll zu implementieren und Kompetenzerwerbsprozesse anzuregen.
Philipp Hübl
Foto Copyright Juliane Marie Schreiber


Philipp Hübl hat Theoretische Philosophie an der RWTH Aachen, der Humboldt-Universität Berlin und zuletzt als Juniorprofessor an der Universität Stuttgart gelehrt. Er ist Autor des Bestsellers "Folge dem weißen Kaninchen ... in die Welt der Philosophie" (2012), des Buches "Der Untergrund des Denkens. Eine Philosophie des Unbewussten" (2015) sowie von Beiträgen zu gesellschaftlichen und politischen Themen. Er publiziert unter anderem in der Zeit, FAZ, taz, NZZ, auf Deutschlandradio und Spiegel online. Im Herbst erscheint sein Buch Bullshit-Resistenz.

Die Tugenden der digitalen Zukunft sind Kreativität, soziale Intelligenz und kritisches Denken. In den Schulen und Universitäten wird aber eher leicht testbares, gradliniges Problemlösen unterrichte und gelehrt. Auch die Messung von Lernerfolg durch standardisierte Tests ist problematisch, weil die Quantifizierung oft einen Eigenwert bekommt und Zahlen ein Niveau von Genauigkeit suggerieren, dass die Tests gar nicht abbilden können, wie psychologische Studien zeigen. Ausserdem verkennt die Performance-Messung die Dynamik der Kompensation. Menschen, die beispielsweise an einer Rechtschreib- oder Zahlenschwäche leiden, sind im Berufsleben später oft umso erfolgreicher, weil sie als Kompensationsstrategie weichere Fertigkeiten wie Kreativität und Empathie entwickeln und verfeinern mussten. Standardisierte Tests würden solche Karrieren systematisch verhindern.
Philipp Tingler
Foto Copyright Stefan Sulzer
Philipp Tingler studierte Ökonomie und Philosophie an der Hochschule St. Gallen, der London School of Economics und der Universität Zürich, wo er über Thomas Mann und den Transzendentalen Idealismus promovierte. Die Liste seiner Veröffentlichungen umfasst neben Belletristik und Sachbüchern diverse Arbeiten für Zeitungen, Zeitschriften, Rundfunk und Fernsehen. 2001 erhielt er die Ehrengabe des Kantons Zürich für Literatur; 2008 wurde ihm der Kasseler Literaturpreis für komische Literatur verliehen. Philipp Tingler ist u.a. Kolumnist für den „Tages-Anzeiger“ und die „Sonntagszeitung“ sowie Kritiker im SRF- „Literaturclub“ und Gastgeber der „Berner Reden“. Er ist bekannt für seine pointierten und establishmentkritischen Meinungen zu Phänomenen der Hoch- und Popkultur, Politik und Gesellschaft.

Alles wird vermessen. Auch die Gesellschaft. Ich bin vermessen – also bin ich. Phlipp Tingler stellt sich dazu unter anderen auch folgende Fragen:
  • Was bedeutet es, wenn Daten zum Statussymbol werden?
  • Wie wirkt sich das Dogma der Messbarkeit auf die soziale Werteskala aus?
  • Techniken der Überwachung und Verhaltenssteuerung als Kompensation „transzendentaler Obdachlosigkeit“
Als Moderatorin und stolze Bündnerin blickt Melanie Salis auf eine über 20-jährige Radiokarriere bei verschiedenen Privatsendern zurück. Zuletzt war sie als Programmleiterin bei Radio Grischa tätig, bevor sie als Personalentwicklerin und Kommunikationsverantwortliche in die Baubranche wechselte. Als Berufsbildnerin betreut sie heute rund ein Dutzend Lernende, darunter angehende Maurer und Baumaschinenmechaniker. Eine Aufgabe, welche die ausgebildete Möbelschreinerin mit viel Tatkraft und Freude ausübt.

Das Mikrophon immer noch im Herzen tragend, ist sie heute nebenberuflich als engagierte Medientrainerin und -Coach sowie als Moderatorin zahlreicher Events unterwegs. Ihre bevorzugten Themen liegen im gesellschafts- und sozialpolitischen Bereich.
Valeria Tschann wurde 2016 im Bereich Kosmetik Schweizermeisterin und erlangte an den WorldSkills 2017 in Abu Dhabi ein Diplom. 2018 nimmt sie an den EuroSkills in Budapest teil.

Wohl kaum jemand anders wird im Rampenlicht der Öffentlichkeit mehr geprüft und beurteilt als die Teilnehmenden von internationalen Berufsmeisterschaften.

  • Welche Tipps gibt Valeria Tschann im Rückblick ihren Prüfern und Beurteilerinnen?
  • Was wünscht sie sich für kommende Generationen von Lernenden?
Bruno Bieri ist ein Troubadour mit und ohne Worte. Statt Gitarre ein Handpan, statt Worte auch mal Ober- & Untertongesang im fünfoktavigen Universum seiner Stimme.

Seine Betonungen mit Bezug sind zeitgenössische Freestyle RAPs ins Hier & Jetzt - gewürzt mit einer Note Humor.

Foren

Roland Züger ist an der Pädagogischen Hochschule Schwyz Dozent für Mediendidaktik sowie Berufsfachschullehrer.

Zusammen mit den Netzwerkpartnern Veronika Bürgi und Andreas Sägesser entwickelt Roland Züger Kompetenzraster zur Einschätzung von Kompetenzentwicklungsprozessen von Lernenden der beruflichen Grundbildung. Diese werden in Lernumgebungen eingesetzt und weiterentwickelt.
  • Welche sogenannt weichen Kriterien (Softskills) lassen sich im Unterricht besonders gut beurteilen und welche besonders schlecht?
  • Wie reagieren Lernende und Lehrbetriebe, wenn statt der klassischen Prüfungsnote andere Formen der Beurteilung eingesetzt werden?
  • Welche Herausforderungen stellen sich, wenn ein Kompetenzbeurteilungssystem mit Beurteilungsraster flächendeckend eingeführt würde?
Moderation Gregor Thurnherr
Bruno Müller, gelernter Elektromonteur und langjähriger Swisscom-Mitarbeiter, ist seit 2017 Leiter des Amtes für Berufsbildung des Kantons St. Gallen

Die IT-Bildungsoffensive des Kantons St. Gallen ist nur ein Element innerhalb der Strategie Fit4Future. Diese richtet sich an der "Berufsbildung 2030" des SBFI aus. Im St. Gallischen Fokus stehen die Kompetenzen und die Kompetenzbündelung.
  • Was soll an zukunftsgerichteten Berufsfachschulen in Zukunft angeboten werden?
  • Kompetenzzentren statt Berufsfachschulen?
  • Und wie koordinieren wir die Zusammenarbeit der Lernorte noch besser?
Moderation Maximilian Koch
Adrian Krebs ist Geschäftsführer von gateway.one. Dieses Berufsbildungsnetzwerk bietet neben vielen anderen Produkten auch den Multicheck an.

Nathalie Meier-Schneider ist Präsidentin der Oberstufenlehrpersonen im Kanton St.Gallen.

"In einer zeitgemässen Personalrekrutierung sind Zeugnisse und Eignungsverfahren keine konkurrierende, sondern vielmehr ergänzende Verfahren", sagen die einen. "Konkurrenz!", meinen die andern.

  • Sind Schulzeugnisse noch nötig, wenn Firmen vor allem mit dem Multicheck rekrutieren?
  • Inwiefern können die beiden Systeme voneinander lernen?
Moderation Kitty Kreienbühl-Lotz
Petra Hämmerle hat ursprünglich eine Ausbildung zur Hochbautechnikerin gemacht. Nach dem Studium der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften absolvierte sie eine Systemische Beratungsausbildung. Ihre Promotion beschäftigte sich mit dem Doktorat Lernen in Organisationen. Sie war mehrere Jahre Systemische Beraterin in der Geschäftsleitung der Frey Akademie Zürich

Schlussprüfungen sind von gestern. Das «klassische» QV stösst bei der Beurteilung von Kompetenzen an seine Grenzen. Doch was sind die Alternativen?

Das E-Portfolio ist eine mögliche Alternative, welche schon erfolgreich in verschiedenen Berufsfeldern angewendet wird. Dabei steht die Dokumentation des Erfahrungswissens und der aufgebauten Handlungskompetenzen und deren Überprüfung im Zentrum. Die Prüfungsform ist mehrdimensional und lässt eine valide Beurteilung von verschiedenen Kompetenzdimensionen zu.

Lassen Sie sich inspirieren.

Moderation Melanie Salis
Frau Prof. Wittmann forscht unter anderem auf den Gebieten der technologiegestützten Messung beruflicher und professioneller Handlungskompetenz sowie in der praxisorientierten Lehrerbildung. Sie ist seit April 2011 Professorin für Wirtschaftspädagogik an der Universität Bamberg. Dort leitete sie das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Verbund-Projekt zur technologiegestützten Entwicklung und Messung beruflicher Handlungskompetenz in der Pflege älterer Menschen.

Frau Prof. Weyland ist seit April 2015 Professorin für Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Berufspädagogik an der Wilhelms-Universität Münster. Von 2010 bis 2015 war sie als Professorin für Pädagogik an der Fachhochschule Bielefeld tätig – unter anderem mit dem Schwerpunkt Berufspädagogik für Gesundheitsberufe. Mit ihrer beruflichen Ausbildung im Gesundheitsbereich und als Lehrerin an beruflichen Schulen (Gesundheitswissenschaften, Sportwissenschaften) kennt sie die Gesundheitsberufe sowohl aus der Forschung, als auch aus der Berufspraxis als Lehrperson.

Das Forschungsvorhaben TEMA hatte die Entwicklung und Erprobung eines technologieorientierten Verfahrens zur Feststellung von beruflicher Handlungskompetenz in der Pflege älterer Menschen zum Thema. Es ging darum, ein Kompetenzmodell und konkrete Messinstrumente zu entwickeln, welche die beruflichen Kompetenzen zuverlässig und korrekt messen können. Um diese Herausforderung zu bewältigen wurden neben theoretischen Grundlagen und empirischen Kompetenzmodellen beruflichen Handlungssituationen genau analysiert. Die Kompetenzerfassung erfolgte realitätsnah mit Hilfe von Videos zu authentischen beruflichen Handlungen. In diesem Forum werden die entwickelten Messinstrumente vorgestellt und diskutiert.

  • Wie können wir berufliche Handlungskompetenz in der Pflege älterer Menschen messen?
  • Welche Chancen und Möglichkeiten ergeben sich aus neuen technologiebasierten Messverfahren?
  • Wo stossen wir an Grenzen?
Moderation Martin Keller
Rahel Räz ist seit Sommer 2013 als Projektleiterin/Lektorin und Programmleiterin (ABU) beim hep verlag tätig. Sie betreut die Buchprojekte für den allgemeinbildenden Unterricht. Seit 2008 unterrichtet Rahel Räz Allgemeinbildung an Berufsschulen. Im Sommer 2018 absolviert sie den Zertifikationslehrgang Medienpädagogik (CAS) an der FHS St.Gallen.

Digitale Kompetenzen gehören zur Berufsfachschule. Aus diesem Grund muss auch digital geprüft werden. Rahel Räz zeigt auf, wo derzeit die Probleme bei digitalen Prüfungen liegen und präsentiert Lösungsansätze.

  • Wie kompatibel sind denn analoger Unterricht und digitale Prüfungen?
  • Und wie finden wir Lösungsansätze bei digitalen Prüfungen in Korrelation zu den Prüfungsreglementen?
Moderation Christian Schlegel

Reservieren Sie sich jetzt schon den 07.12.2018.

     Kalendereintrag für das OKB-Symposium 2018

Die Geschäftsleitung des OKB

Patrizia Egli, Dr. Maximilian Koch, Melanie Salis, Dr. Martin Keller, Dr. Gregor Thurnherr, Christian Schlegel
(Auf dem Bild von links nach rechts)

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Podium zum Thema «Wie gehen Berufsbildungsprofis mit Unsicherheiten im rasanten Wandel um?»


Es diskutieren unter der Moderation von Maximilian Koch:

Prof. Dr. Helmut Willke, Soziologe Universität Bielefeld und Zeppelin Universität Flavia Sutter,
Berufsfachschullehrerin Allgemeinbildung, GBS St.Gallen
Marcel Honegger,
Werkmeister Ausbildungswesen, Bruderer Maschinenfabrik AG in Frasnacht TG
Christian Schlegel,
Lehrgangsleiter ÜK Informatik und Mediamatik ZbW
       
Studium der Rechtwissenschaft und Soziologie in Tübingen und Köln, Promotion in Tübingen, Beschäftigt sich als Wissenschaftler mit Fragen der Wissenssoziologie und Global Governance Kfm. Lehre bei Bischoff Textil AG in St.Gallen, Wirtschaftsmatura ISME in St.Gallen, Dipl. Sekundarlehrerin PHSG, CAS in Grundlagen der Beratung von Berufsbildungsverantwortlichen, Dipl. Berufsfachschullehrerin EHB Lehre als Maschinenmechaniker bei STARRAG AG in Rorschach, Fachausweis Ausbilder am ZbW in St.Gallen, in Ausbildung als Erwachsenenbildner HF am ZbW in St.Gallen Nach Informatikstudium in St. Gallen in die Berufsbildung eingestiegen. Das Basislehrjahr Mediamatiker und Informatiker betreut. Fachausweis Ausbilder am ZbW und Experte im Bereich blended learning.

 

 

Inputforum zum Thema «Flexibilisierung der Berufslehren»

Martin Frieden, Eidg. dipl. Berufsfachschullehrer fachlicher Richtung, Abteilungsleiter «Informations- und Energietechnik IET» an der Gewerblich-Industriellen Berufsschule Bern gibb und aktuell Projektleiter «Flexible Berufslehre». Lehre als FEAM, Studium Elektrotechnik an der Ingenieurschule Burgdorf, Nachdiplomstudium Software-Engineering, SWS, Spezialisierung UNIX und Führungsausbildungen an der Uni St.Gallen und der Berner FH. Praxiserfahrungen in Betrieben wie Tricom Telecommunication, ascom Tech AG und ascom Transmission AG.

In Bern wird aktiv an der zukünftigen Informatikausbildung als Konkretisierung der Berufsbildungsstrategie 2030 gearbeitet – sie soll flexibler ausgestaltet werden. Die Digitalisierung der Wirtschaft erfordert auch neue Modelle der Stoffvermittlung, davon sind die Initianten überzeugt. In einem ersten Schritt wird die Flexibilität des Modulsystems der Informatikausbildung den individuellen Bedürfnissen der betrieblichen Bildung orientiert. Die jungen Berufsleute lernen zu Beginn das, was sie im Betrieb dringend brauchen. In einem zweiten Schritt soll die Informatikausbildung mit einer Individualisierung des Unterrichts und einem zunehmenden Anteil an selbst-organisiertem Lernen bedarfsgerechter gestaltet werden. Dass Berufsschüler zunehmend ausserhalb der Schule lernen sollen, wird in der Arbeitswelt unterschiedlich bewertet und kommentiert. Das Pilotprojekt in Bern steht unter kritischer Beobachtung, insbesondere was die Lehrabbrüche und die Erfolgsquote bei den Lehrabschlüssen anbelangt.

 

Inputforum zum Thema «Flexibilisierung der Berufslehren»

Andreas Bischof, ist seit 2009 Leiter der Berufsbildung der Firma Bühler AG in Uzwil und damit verantwortlich für die Ausbildung von rund 300 Lernenden. Zuvor hat er an der Berufsfachschule Arbon während 18 Jahren unterrichtet und in verschiedenen Firmen als Konstrukteur gearbeitet. Andreas Bischof ist dipl. Ausbildungsleiter und hat 2015 an der ZHAW das MAS-Studium in Ausbildungsmanagement mit der Masterarbeit „Evaluation der Unterrichtsqualität im virtuellen Klassenzimmer“ abgeschlossen. Den Aufbau einer dualen Berufsbildung an den Bühler Standorten in Minneapolis (2012) und Raleigh (2015) gehörten zu den weiteren Herausforderungen, welche es mit seinem Team zu meistern galt.

Um Bühler Lernenden einen Auslandeinsatz von bis zu sechs Monaten während der Lehre zu ermöglichen, ohne dabei den Unterricht an der Berufsfachschule zu verpassen, haben Felix Tschirky (Prorektor BZWU) und Andreas Bischof gemeinsam das multimediale Klassenzimmer „ClassUnlimited 2.0“ entwickelt. Das dazugehörige didaktische Konzept wurde in enger Kooperation mit der PH St. Gallen bzw. dem Institut ICT & Medien auf Basis der flipped classroom Methode entwickelt. Diese Methode beinhaltet die unterschiedlichsten Themen wie die Digitalisierung des Unterrichts, zeitgemässe didaktische Lehr-/Lernformen, Sprach- und Kulturschulung und die Entwicklung der dualen Bildungskooperation. Die Lernenden erarbeiten sich teilweise ihr Wissen selbständig oder in Gruppen, geführt durch ein Learning-Management-System. Die Lehrpersonen bereiten die Lerninhalte mit Hilfe unterschiedlicher Medien vor und legen dabei das Vorgehen fest. Innerhalb des E-Portfolios bearbeiten die Lernenden die entsprechenden Lernobjekte, dokumentieren den Lernprozess, bekommen Feedbacks der Lehrpersonen und/oder der anderen Lernenden.
 

 

«Wandel verlangt neue Fähigkeiten»

Valérie Schelker, lic.rer.pol., ist Leiterin Personal und Mitglied der Konzernleitung der Schweizerischen Post AG. Zuvor war sie während mehreren Jahren bei der PostFinance AG in verschiedenen Funktionen tätig, zuletzt als Leiterin Arbeitswelt und Mitglied der Geschäftsleitung der PostFinance AG.

Die Post will die physische und die digitale Welt optimal miteinander verbinden und den Kunden einfache Lösungen aus einer Hand bieten. Dafür verfolgt sie ein Wachstums- und Entwicklungsprogramm mit verschiedenen Schwerpunkten wie zum Beispiel E-Commerce, Digital Banking, Cross-Channel-Communication, Mobilitätslösungen oder «Digital Trust» mit innovativen Angeboten wie E-Health oder E-Voting.

Welche Auswirkungen hat dieser Transformationsprozess auf die Anforderungen an die Fähigkeiten der Mitarbeitenden und den Rekrutierungsprozess? Und wie kann ein Unternehmen den «Skill Change» begleiten und unterstützen?

Die Digitalisierung verändert die Arbeitswelt grundlegend: Flexible Arbeitszeiten und -orte, ein verändertes Rollenverständnis des Vorgesetzten als Coach, bereichsübergreifende Zusammenarbeit, flache Hierarchien und digitale Kommunikationsformen sind Stichworte dazu. Gleichzeitig verändern sich die Erwartungen der Mitarbeitenden an ihren Job und die Arbeitgeberin: Die Nachfrage nach Teilzeitarbeit, Job-Sharing und agilen Arbeitsformen nimmt zu. Human Resources begleitet diesen Wandel mit neuen Modellen in der Personal- und Führungsentwicklung – auch in der Ausbildung von Lernenden.

 

 

«Heiterer Ernst im rasanten Wandel»

Mark Riklin, geboren 1965 in St. Gallen, lebt im Sambucoland von Speicher. Vater von zwei kleinen Mädchen (7 und 9 Jahre alt). Freiberufliche Tätigkeit als Depeschenkurier, Hofnarr und Öffentlichkeitshersteller. Leiter der «Meldestelle für Glücksmomente» und der Schweizer Landesvertretung des «Verein zur Verzögerung der Zeit». Lehrbeauftragter an verschiedenen Fachhochschulen im In- und Ausland. Geschichtenkurier im SBW Haus des Lernens. M.A. in Sozialwissenschaften an der Uni Konstanz in Psychologie, Soziologie, Politologie; Pädagogische Hochschule St.Gallen.

Kontrapunkt: Doppelt so langsam? – Auswege aus der Beschleunigungsfalle

„Haben Sie heute schon Nichts gemacht?“ Nicht nur Berufsbildungs-Profis sondern unsere Gesellschaft als Ganzes ist einem rasanten Wandel unterworfen, der uns als Individuen und als Gesellschaft an die Grenzen bringt. Immer wieder spulen wir im Hamsterrad und rennen mit Scheuklappen durchs eigene Leben, als ob es darum gehen würde, möglichst schnell damit fertig zu sein, ganz nach dem Motto „Wer früher stirbt, ist länger tot“. Wie dieses Wettrennen gegen die Zeit gewinnen; wie der Beschleunigungs- und Effizienzfalle entfliehen; und wie Zeit für das Wesentliche in unserem Leben gewinnen? Ein Plädoyer für Verdauungsphasen, unbewirtschaftete Leerstellen und Not-to-do-Listen.
 

 

«Bereiten wir auf die richtigen Berufe vor? – Be-rufsbildung Schweiz im Zeitalter der digitalen Transformation»

Prof. Dr. Ursula Renold, seit 2013 Leiterin Forschungsbereich Bildungssysteme, KOF Konjunkturforschungsstelle, ETH Zürich sowie Präsidentin des Fachhochschulrates der FHNW; Sie ist seit 2010 Honorarprofessorin an der Hochschule der Bundesagentur für Arbeit, Mannheim.

Ursula Renold war von 2005-2012 Direktorin des Bundesamts für Berufsbildung und Technologie (BBT), von 2001-2005 Stellv. Direktorin des BBT sowie Leiterin des Leistungsbereichs Berufsbildung. Zudem leitete sie von 2000-2005 Direktorin des Schweizer Instituts für Berufspädagogik mit den Standorten Zollikofen, Lugano und Lausanne.

Das Referat erläutert die Grundzüge des Schweizer Berufsbildungssystem und zeigt ausgewählte Outcome-Effekte auf. Frau Renold geht Fragen auf den Grund wie beispielweise: «Wie begegnet man dem Problem, dass Berufsbildungsreformen von den Ergebnissen einer Arbeitsmarkt-Umfrage bis zum Abschluss der ersten Kohorte von Berufslernenden rund 10 Jahre dauern?» oder «Wo sind die Frühindikatoren zum digitalen Wandel erkennbar, so dass sie rechtzeitig in die Berufsreformen einfliessen können?» Im Weiteren werden wichtige Trends auf dem Arbeitsmarkt beleuchtet, welche die Zukunft der Bildungsprozesse prägen werden. Anhand von Forschungsresultaten zur Wirksamkeit von Berufsbildungssystemen wird aufgezeigt, wie die Schweiz den Megatrends auf dem Arbeitsmarkt begegnen kann, um auch in Zukunft die richtigen Berufe vorzubereiten.
 

 

Forum «World Café» zum Thema «Wir Berufsbildungsprofis im rasanten Wandel»

Der Referent Daniel Niklaus (Inhaber Netlive IT AG) und die Referentinnen Valérie Schelker (Personalchefin Post CH AG) und Prof. Dr. Ursula Renold (Leiterin Forschungsbereich Bildungssysteme, KOF Konjunkturforschungsstelle, ETH Zürich) werden am World Café teilnehmen und sich einbringen.

Daniel Niklaus
Inhaber Netlive IT AG
Valérie Schelker
Personalchefin Post CH AG
Prof. Dr. Ursula Renold
Leiterin Forschungsbereich Bildungssysteme,
KOF Konjunkturforschungsstelle, ETH Zürich

Mit der Methodik des World Cafés, in welchem Sie sich als Teilnehmende an Tischen zur Diskussion zusammenfinden, wird ein reger Austausch ermöglicht.

In ungezwungener Atmosphäre führen Sie spannende Gespräche mit Kolleginen und Kollegen aus Betrieben, Schulen und Ämtern zum Thema «Wir Berufsbildungsprofis im rasanten Wandel».

  • Wie erlebe ich den rasanten Wandel?
  • Wo erkenne ich Chancen?
  • Wovor habe ich Respekt?
  • Welche Zukunftsszenarien sehe ich?

D. Niklaus, V. Schelker und Prof. Dr. U. Renold werden am World Café teilnehmen und sich einbringen. So bekommen Sie die Gelegenheit, sich auf einer individuelleren Ebene mit den Standpunkten und Meinungen der Referentinnen und des Referenten auseinanderzusetzen.
 

 

Ostschweizer Kompetenzzentrum für Berufsbildung