Prüfen wir noch zeitgemäss?

Rahel Räz ist seit Sommer 2013 als Projektleiterin/Lektorin und Programmleiterin (ABU) beim hep verlag tätig. Sie betreut die Buchprojekte für den allgemeinbildenden Unterricht. Seit 2008 unterrichtet Rahel Räz Allgemeinbildung an Berufsschulen. Im Sommer 2018 absolviert sie den Zertifikationslehrgang Medienpädagogik (CAS) an der FHS St.Gallen.

Digitale Kompetenzen gehören zur Berufsfachschule. Aus diesem Grund muss auch digital geprüft werden. Rahel Räz zeigt auf, wo derzeit die Probleme bei digitalen Prüfungen liegen und präsentiert Lösungsansätze.

  • Wie kompatibel sind denn analoger Unterricht und digitale Prüfungen?
  • Und wie finden wir Lösungsansätze bei digitalen Prüfungen in Korrelation zu den Prüfungsreglementen?

Moderiert wird das Forum durch Christian Schlegel

Technologiebasiertes Messen von Kompetenzen in den Pflegeberufen

Frau Prof. Dr. Eveline Wittmann hat seit März 2015 den Lehrstuhl für Berufspädagogik der Technischen Universität München inne. Sie forscht unter anderem auf den Gebieten der technologiegestützten Messung beruflicher Handlungskompetenz und zu Praxisphasen in der Lehrerbildung und verantwortete die Kompetenz- und Aufgabenmodellierung im vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Verbund-Projekt zur technologiegestützten Entwicklung und Messung beruflicher Handlungskompetenz in der Pflege älterer Menschen.

Frau Prof. Dr. Ulrike Weyland ist seit April 2015 Professorin für Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Berufspädagogik an der Wilhelms-Universität Münster. Von 2010 bis 2015 war sie als Professorin für Pädagogik an der Fachhochschule Bielefeld tätig – unter anderem mit dem Schwerpunkt Berufspädagogik für Gesundheitsberufe. Mit ihrer beruflichen Ausbildung im Gesundheitsbereich und als Lehrerin an beruflichen Schulen (Gesundheitswissenschaften, Sportwissenschaften) kennt sie die Gesundheitsberufe sowohl aus der Forschung, als auch aus der Berufspraxis als Lehrperson.

Das Forschungsvorhaben TEMA hatte die Entwicklung und Erprobung eines technologieorientierten Verfahrens zur Feststellung von beruflicher Handlungskompetenz in der Pflege älterer Menschen zum Thema. Es ging darum, ein Kompetenzmodell und konkrete Messinstrumente zu entwickeln, welche die beruflichen Kompetenzen zuverlässig und korrekt messen können. Um diese Herausforderung zu bewältigen wurden neben theoretischen Grundlagen und empirischen Kompetenzmodellen beruflichen Handlungssituationen genau analysiert. Die Kompetenzerfassung erfolgte realitätsnah mit Hilfe von Videos zu authentischen beruflichen Handlungen. In diesem Forum werden die entwickelten Messinstrumente vorgestellt und diskutiert.

  • Wie können wir berufliche Handlungskompetenz in der Pflege älterer Menschen messen?
  • Welche Chancen und Möglichkeiten ergeben sich aus neuen technologiebasierten Messverfahren?
  • Wo stossen wir an Grenzen?

Moderiert wird das Forum durch Martin Keller

E-Portfolio statt schriftliche Schlussprüfungen. Im Büro und auf der Baustelle.

Petra Hämmerle hat ursprünglich eine Ausbildung zur Hochbautechnikerin gemacht. Nach dem Studium der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften absolvierte sie eine Systemische Beratungsausbildung. Ihre Promotion beschäftigte sich mit dem Doktorat Lernen in Organisationen. Sie war mehrere Jahre Systemische Beraterin in der Geschäftsleitung der Frey Akademie Zürich

Schlussprüfungen sind von gestern.
Das «klassische» QV stösst bei der Beurteilung von Kompetenzen an seine Grenzen. Doch was sind die Alternativen?

Das E-Portfolio ist eine mögliche Alternative, welche schon erfolgreich in verschiedenen Berufsfeldern angewendet wird. Dabei steht die Dokumentation des Erfahrungswissens und der aufgebauten Handlungskompetenzen und deren Überprüfung im Zentrum. Die Prüfungsform ist mehrdimensional und lässt eine valide Beurteilung von verschiedenen Kompetenzdimensionen zu.

Lassen Sie sich inspirieren.

Moderiert wird das Forum durch Melanie Salis

Schulzeugnis und Multicheck. Konkurrenz oder Ergänzung?

Adrian Krebs ist Geschäftsführer von gateway.one. Dieses Berufsbildungsnetzwerk bietet neben vielen anderen Produkten auch den Multicheck an.

Nathalie Meier-Schneider ist Präsidentin der Oberstufenlehrpersonen im Kanton St.Gallen.

„In einer zeitgemässen Personalrekrutierung sind Zeugnisse und Eignungsverfahren keine konkurrierende, sondern vielmehr ergänzende Verfahren“, sagen die einen. „Konkurrenz!“, meinen die andern.

  • Sind Schulzeugnisse noch nötig, wenn Firmen vor allem mit dem Multicheck rekrutieren?
  • Inwiefern können die beiden Systeme voneinander lernen?

Moderiert wird das Forum durch Kitty Kreienbühl-Lotz

Fit4Future – der Kanton St.Gallen organisiert die Berufsbildung neu

Bruno Müller, gelernter Elektromonteur und langjähriger Swisscom-Mitarbeiter, ist seit 2017 Leiter des Amtes für Berufsbildung des Kantons St. Gallen

Die IT-Bildungsoffensive des Kantons St. Gallen ist nur ein Element innerhalb der Strategie Fit4Future. Diese richtet sich an der „Berufsbildung 2030“ des SBFI aus. Im St. Gallischen Fokus stehen die Kompetenzen und die Kompetenzbündelung.

  • Was soll an zukunftsgerichteten Berufsfachschulen in Zukunft angeboten werden?
  • Kompetenzzentren statt Berufsfachschulen?
  • Und wie koordinieren wir die Zusammenarbeit der Lernorte noch besser?

Moderiert wird das Forum durch Maximilian Koch

Entwicklungsprozesse mit Kompetenzrastern einschätzen

Roland Züger ist an der Pädagogischen Hochschule Schwyz Dozent für Mediendidaktik sowie Berufsfachschullehrer.

Zusammen mit den Netzwerkpartnern Veronika Bürgi und Andreas Sägesser entwickelt Roland Züger Kompetenzraster zur Einschätzung von Kompetenzentwicklungsprozessen von Lernenden der beruflichen Grundbildung. Diese werden in Lernumgebungen eingesetzt und weiterentwickelt.

  • Welche sogenannt weichen Kriterien (Softskills) lassen sich im Unterricht besonders gut beurteilen und welche besonders schlecht?
  • Wie reagieren Lernende und Lehrbetriebe, wenn statt der klassischen Prüfungsnote andere Formen der Beurteilung eingesetzt werden?
  • Welche Herausforderungen stellen sich, wenn ein Kompetenzbeurteilungssystem mit Beurteilungsraster flächendeckend eingeführt würde?

Moderiert wird das Forum durch Gregor Thurnherr

Die vermessene Gesellschaft und was das mit uns Menschen macht

Dr. Philipp Tingler studierte Ökonomie und Philosophie an der Hochschule St. Gallen, der London School of Economics und der Universität Zürich, wo er über Thomas Mann und den Transzendentalen Idealismus promovierte. Die Liste seiner Veröffentlichungen umfasst neben Belletristik und Sachbüchern diverse Arbeiten für Zeitungen, Zeitschriften, Rundfunk und Fernsehen. 2001 erhielt er die Ehrengabe des Kantons Zürich für Literatur; 2008 wurde ihm der Kasseler Literaturpreis für komische Literatur verliehen. Philipp Tingler ist u.a. Kolumnist für den „Tages-Anzeiger“ und die „Sonntagszeitung“ sowie Kritiker im SRF- „Literaturclub“ und Gastgeber der „Berner Reden“.
Er ist bekannt für seine pointierten und establishmentkritischen Meinungen zu Phänomenen der Hoch- und
Popkultur, Politik und Gesellschaft.

Alles wird vermessen. Auch die Gesellschaft. Ich bin vermessen – also bin ich. Phlipp Tingler stellt sich dazu unter anderen auch folgende Fragen:

  • Was bedeutet es, wenn Daten zum Statussymbol werden?
  • Wie wirkt sich das Dogma der Messbarkeit auf die soziale Werteskala aus?
  • Techniken der Überwachung und Verhaltenssteuerung als Kompensation „transzendentaler Obdachlosigkeit“

Kognitiv Vermessen. Die Mathematisierung von Bildung ist ungenau und schafft falsche Anreize

Prof. Dr. Philipp Hübl hat Theoretische Philosophie an der RWTH Aachen, der Humboldt-Universität Berlin und zuletzt als Juniorprofessor an der Universität Stuttgart gelehrt. Er ist Autor des Bestsellers „Folge dem weißen Kaninchen … in die Welt der Philosophie“ (2012), des Buches „Der Untergrund des Denkens. Eine Philosophie des Unbewussten“ (2015) sowie von Beiträgen zu gesellschaftlichen und politischen Themen. Er publiziert unter anderem in der Zeit, FAZ, taz, NZZ, auf Deutschlandradio und Spiegel online. Im Herbst erscheint sein Buch Bullshit-Resistenz.

Die Tugenden der digitalen Zukunft sind Kreativität, soziale Intelligenz und kritisches Denken. In den Schulen und Universitäten wird aber eher leicht testbares, gradliniges Problemlösen unterrichte und gelehrt.
Auch die Messung von Lernerfolg durch standardisierte Tests ist problematisch, weil die Quantifizierung oft einen Eigenwert bekommt und Zahlen ein Niveau von Genauigkeit suggerieren, dass die Tests gar nicht abbilden können, wie psychologische Studien zeigen.
Ausserdem verkennt die Performance-Messung die Dynamik der Kompensation. Menschen, die beispielsweise an einer Rechtschreib- oder Zahlenschwäche leiden, sind im Berufsleben später oft umso erfolgreicher, weil sie als Kompensationsstrategie weichere Fertigkeiten wie Kreativität und Empathie entwickeln und verfeinern mussten. Standardisierte Tests würden solche Karrieren systematisch verhindern.

Geniessen Sie eine kleine Kostprobe…

Können und Verstehen ist messbar. Die Unabwendbarkeit empirischer Beweise.

Esther Winther, Prof. Dr. rer. pol. habil., setzt sich für ein PISA in der beruflichen Bildung mit beruflichen Kompetenzmessverfahren ein. Nach Forschungsaufenthalten an der Stanford University (2008) und der University of California, Berkley (2009) folgte sie 2009 einem Ruf auf den Lehrstuhl für Wirtschaftspädagogik an der Universität Paderborn. 2014 wechselte sie als wissenschaftliche Direktorin/Vorstand an das Deutsche Institut für Erwachsenenbildung – Leibniz-Zentrum für Lebenslanges Lernen e.V. Seit 2017 leitet sie als Professorin den Fachbereich Berufliche Aus- und Weiterbildung an der Universität Duisburg-Essen, ist Geschäftsführende Direktorin des Instituts für Berufs- und Weiterbildung und Leitungsmitglied des Kompetenzzentrums für Innovation und Unternehmensgründung (IDE).

Empirische Berufsbildungsforschung gewinnt durch eine Harmonisierung und Balancierung der Lehr- und Bildungspläne, sowie der Schlussprüfungen an Bedeutung. Dies ist auch die zentrale Voraussetzung dafür, Kompetenzorientierung in die Lehr- und Lernprozesse in der beruflichen Bildung sinnvoll zu implementieren und Kompetenzerwerbsprozesse anzuregen.

Ostschweizer Kompetenzzentrum für Berufsbildung