Die Lebenswelten von Jugendlichen sind geprägt von „erziehenden“ Erwachsenen. Dazu zählen Eltern, Lehrpersonen sowie Bezugspersonen im Ausbildungsbetrieb, in Vereinen und in diversen Angeboten der Offenen Jugendarbeit.
Doch die meisten Jugendlichen sehen sich als eigenständige, selbstbewusste junge Erwachsene, die vor Tatendrang strotzen und „keinen Bock“ auf Erziehung haben. Sie haben vielmehr das Bedürfnis ihre geballten Energien und Ideen auszuleben anstatt sich von Erwachsenen eingrenzen zu lassen.

Die Offene Jugendarbeit setzt in diesem Spannungsfeld an. Mit bewusst gestalteten Angeboten sollen Jugendliche Lernerfolge und Erfahrungen sammeln können ohne dabei belehrt und bevormundet zu werden.

Im Forum werden Methoden der Offenen Jugendarbeit erklärt und anhand von konkreten Beispielen der Offenen Jugendarbeit Stadt St. Gallen greif- und sichtbar gemacht. Mit Hilfe der Beispiele wird erklärt, wo sich Lerneffekte und Wertvermittlungen verbergen und so Erziehung ohne Mahnfinger möglich ist.

Andrea Thoma
MSc in Social Work; Jugendsekretariat der Stadt St. Gallen, Abteilungsleiterin Offene Jugendarbeit

Im Referat werden Dimensionen der beruflichen Identität und ihrer Entwicklung aus theoretischer und empirischer Perspektive beleuchtet, um danach nach den Möglichkeiten und Grenzen «starker» beruflicher Identität und ihrer Gefährdung durch gesamtgesellschaftliche und arbeitsmarktbedingte Veränderungen zu erläutern.

Schliesslich wird die pädagogische und ethische Bedeutung des personalen Aspektes in der Berufsbildung betont und die scheinbar klare und weithin tolerierte Gegenüberstellung von Berufsbildung, Allgemeinbildung und allgemeiner Menschenbildung kritisch hinterfragt.

Prof. Dr. Roland Reichenbach
Universität Zürich, Inhaber des Lehrstuhls für Allgemeine Erziehungswissenschaft , Forschungsschwerpunkte: Pädagogische Ethik, Politische Bildung, Erziehungs- und Bildungsphilosophie sowie Verhandlungs- und Eini-gungsprozesse im beruflichen und ausserberuflichen Bereich.

Wir Menschen sind soziale Wesen. Wenn wir zur Welt kommen, sind andere schon da. Das mag eine erste narzisstische Verletzung sein. Aber sie fördert unsere soziale Disposition. Wir können nämlich ohne andere nicht leben. Die Gesellschaft prägt uns, manchmal sogar mehr als uns lieb ist. Daher die Frage: Was machen Bildungsprofis und Jugendliche aus dem, was die Gesellschaft aus ihnen macht? Wie gehen sie mit Konflikten und einem Konkurrenzdruck um, der Menschen oft mehr auseinander treibt, denn verbindet. Hilfreich ist die Frage nach dem sozialen Sinn und danach, was ich verliere, wenn ich nicht immer gewinne? Sie führt weiter, reicht aber nicht aus. Wichtig sind zudem gesellschaftliche Bedingungen, die anstelle der Defizit- eine Kompetenzmotivation fördern. Und was unterstützt sonst noch einen konstruktiven Umgang mit Konflikten, die sich durch neo-behavioristische Erziehungskonzepte weiter verschärfen dürften?

Prof. Dr. Ueli Mäder
Universität Basel (und FHNW), Soziologe

Das Gehirn des Menschen ist -wie amerikanische Neuroforscher es nannten- ein «Social Brain», was konkret bedeutet: Die regelrechte Entwicklung des Gehirns bedarf hinreichend guter Beziehungserfahrungen. Das Gehirn des Jugendlichen macht aus Psychologie Biologie: Ohne erlebte Beziehung können die neurobiologischen Motivationssysteme nicht aktiv werden. Im Mittelpunkt der Beziehung zwischen Jugendlichen und ihren Bezugspersonen oder Mentoren stehen Spiegelungs- und Resonanzvorgänge. Jugendliche bedürfen jedoch nicht nur des «Gesehen-Werdens», sondern sollten ihrerseits zum Perspektivwechsel angeleitet und angehalten werden. Die regelrechte Reifung des Gehirns leidet nicht nur dann, wenn Jugendliche keine Beachtung und Zuwendung erhalten, sondern auch dann, wenn ihnen erspart wird, die Regeln des sozialen Zusammenlebens zu beachten.

Prof. Dr. Joachim Bauer
Uniklinikum Freiburg
Facharzt für Innere Medizin, für Psychiatrie + Psychotherapie und für Psychosomatische Medizin

Wir freuen uns, dass Max Koch auch in diesem Jahr das Symposium moderiert.

Als allgemeinbildender Berufsfachschullehrer, als Mitautor und regionaler Verantwortlicher für die Umsetzung des Rahmenlehrplans ABU sowie als Studiengangsleiter und Dozent für allgemeinbildende Lehrpersonen an der PHSG engagiert er sich vielseitig und kompetent. Er beteiligte sich als Gemeindepräsident von Wolfhalden und Kantonsrat aktiv am politischen Geschehen. Als Partner von ecopol ag verfügt er auch über einen guten Draht zur Wirtschaft.

Max Koch promovierte in Politikwissenschaften an der LMU in München.

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