Symposium 2018

prüfen und beurteilen – auf der Suche nach Klarheit und Wahrheit

Archimedes (287-212 v.Chr.), griechischer Physiker, Mathematiker und Mechaniker verlangte, dass alles Messbare zu messen sei und alles, was sich nicht messen lasse, messbar gemacht werden soll. Im Umgang mit Lernenden ist aber nicht immer alles messbar. Man kann keine Selbst- und Sozialkompetenzen messen – oder etwa doch?

Das diesjährige Symposium „prüfen und beurteilen – auf der Suche nach Klarheit und Wahrheit“ geht genau dieser Frage nach. Multicheck trifft auf Philosophie. Archimedes trifft auf Softskills.

Referate, Moderation, Kultur

Esther Winther, Prof. Dr. rer. pol. habil., setzt sich für ein PISA in der beruflichen Bildung mit beruflichen Kompetenzmessverfahren ein. Nach Forschungsaufenthalten an der Stanford University (2008) und der University of California, Berkley (2009) folgte sie 2009 einem Ruf auf den Lehrstuhl für Wirtschaftspädagogik an der Universität Paderborn. 2014 wechselte sie als wissenschaftliche Direktorin/Vorstand an das Deutsche Institut für Erwachsenenbildung – Leibniz-Zentrum für Lebenslanges Lernen e.V. Seit 2017 leitet sie als Professorin den Fachbereich Berufliche Aus- und Weiterbildung an der Universität Duisburg-Essen, ist Geschäftsführende Direktorin des Instituts für Berufs- und Weiterbildung und Leitungsmitglied des Kompetenzzentrums für Innovation und Unternehmensgründung (IDE).

Empirische Berufsbildungsforschung gewinnt durch eine Harmonisierung und Balancierung der Lehr- und Bildungspläne, sowie der Schlussprüfungen an Bedeutung. Dies ist auch die zentrale Voraussetzung dafür, Kompetenzorientierung in die Lehr- und Lernprozesse in der beruflichen Bildung sinnvoll zu implementieren und Kompetenzerwerbsprozesse anzuregen.

Präsentation Esther Winther
Philipp Hübl
Foto Copyright Juliane Marie Schreiber


Philipp Hübl hat Theoretische Philosophie an der RWTH Aachen, der Humboldt-Universität Berlin und zuletzt als Juniorprofessor an der Universität Stuttgart gelehrt. Er ist Autor des Bestsellers "Folge dem weißen Kaninchen ... in die Welt der Philosophie" (2012), des Buches "Der Untergrund des Denkens. Eine Philosophie des Unbewussten" (2015) sowie von Beiträgen zu gesellschaftlichen und politischen Themen. Er publiziert unter anderem in der Zeit, FAZ, taz, NZZ, auf Deutschlandradio und Spiegel online. Im Herbst erscheint sein Buch Bullshit-Resistenz.

Die Tugenden der digitalen Zukunft sind Kreativität, soziale Intelligenz und kritisches Denken. In den Schulen und Universitäten wird aber eher leicht testbares, gradliniges Problemlösen unterrichte und gelehrt. Auch die Messung von Lernerfolg durch standardisierte Tests ist problematisch, weil die Quantifizierung oft einen Eigenwert bekommt und Zahlen ein Niveau von Genauigkeit suggerieren, dass die Tests gar nicht abbilden können, wie psychologische Studien zeigen. Ausserdem verkennt die Performance-Messung die Dynamik der Kompensation. Menschen, die beispielsweise an einer Rechtschreib- oder Zahlenschwäche leiden, sind im Berufsleben später oft umso erfolgreicher, weil sie als Kompensationsstrategie weichere Fertigkeiten wie Kreativität und Empathie entwickeln und verfeinern mussten. Standardisierte Tests würden solche Karrieren systematisch verhindern.
Philipp Tingler
Foto Copyright Stefan Sulzer

Philipp Tingler studierte Ökonomie und Philosophie an der Hochschule St. Gallen, der London School of Economics und der Universität Zürich, wo er über Thomas Mann und den Transzendentalen Idealismus promovierte. Die Liste seiner Veröffentlichungen umfasst neben Belletristik und Sachbüchern diverse Arbeiten für Zeitungen, Zeitschriften, Rundfunk und Fernsehen. 2001 erhielt er die Ehrengabe des Kantons Zürich für Literatur; 2008 wurde ihm der Kasseler Literaturpreis für komische Literatur verliehen. Philipp Tingler ist u.a. Kolumnist für den „Tages-Anzeiger“ und die „Sonntagszeitung“ sowie Kritiker im SRF- „Literaturclub“ und Gastgeber der „Berner Reden“. Er ist bekannt für seine pointierten und establishmentkritischen Meinungen zu Phänomenen der Hoch- und Popkultur, Politik und Gesellschaft.
Alles wird vermessen. Auch die Gesellschaft. Ich bin vermessen – also bin ich. Phlipp Tingler stellt sich dazu unter anderen auch folgende Fragen:
  • Was bedeutet es, wenn Daten zum Statussymbol werden?
  • Wie wirkt sich das Dogma der Messbarkeit auf die soziale Werteskala aus?
  • Techniken der Überwachung und Verhaltenssteuerung als Kompensation „transzendentaler Obdachlosigkeit“

Referat Philipp Tingler
Als Moderatorin und stolze Bündnerin blickt Melanie Salis auf eine über 20-jährige Radiokarriere bei verschiedenen Privatsendern zurück. Zuletzt war sie als Programmleiterin bei Radio Grischa tätig, bevor sie als Personalentwicklerin und Kommunikationsverantwortliche in die Baubranche wechselte. Als Berufsbildnerin betreut sie heute rund ein Dutzend Lernende, darunter angehende Maurer und Baumaschinenmechaniker. Eine Aufgabe, welche die ausgebildete Möbelschreinerin mit viel Tatkraft und Freude ausübt.

Das Mikrophon immer noch im Herzen tragend, ist sie heute nebenberuflich als engagierte Medientrainerin und -Coach sowie als Moderatorin zahlreicher Events unterwegs. Ihre bevorzugten Themen liegen im gesellschafts- und sozialpolitischen Bereich.

Hauptpräsentation Symposium OKB 2018
Valeria Tschann wurde 2016 im Bereich Kosmetik Schweizermeisterin und erlangte an den WorldSkills 2017 in Abu Dhabi ein Diplom. 2018 nimmt sie an den EuroSkills in Budapest teil.

Wohl kaum jemand anders wird im Rampenlicht der Öffentlichkeit mehr geprüft und beurteilt als die Teilnehmenden von internationalen Berufsmeisterschaften.

  • Welche Tipps gibt Valeria Tschann im Rückblick ihren Prüfern und Beurteilerinnen?
  • Was wünscht sie sich für kommende Generationen von Lernenden?
Bruno Bieri ist ein Troubadour mit und ohne Worte. Statt Gitarre ein Handpan, statt Worte auch mal Ober- & Untertongesang im fünfoktavigen Universum seiner Stimme.

Seine Betonungen mit Bezug sind zeitgenössische Freestyle RAPs ins Hier & Jetzt - gewürzt mit einer Note Humor.

Foren

Roland Züger ist an der Pädagogischen Hochschule Schwyz Dozent für Mediendidaktik sowie Berufsfachschullehrer. Zusammen mit den Netzwerkpartnern Veronika Bürgi und Andreas Sägesser entwickelt Roland Züger Kompetenzraster zur Einschätzung von Kompetenzentwicklungsprozessen von Lernenden der beruflichen Grundbildung. Diese werden in Lernumgebungen eingesetzt und weiterentwickelt.
  • Welche sogenannt weichen Kriterien (Softskills) lassen sich im Unterricht besonders gut beurteilen und welche besonders schlecht?
  • Wie reagieren Lernende und Lehrbetriebe, wenn statt der klassischen Prüfungsnote andere Formen der Beurteilung eingesetzt werden?
  • Welche Herausforderungen stellen sich, wenn ein Kompetenzbeurteilungssystem mit Beurteilungsraster flächendeckend eingeführt würde?
Link zur Präsentation
Moderation Gregor Thurnherr
Bruno Müller, gelernter Elektromonteur und langjähriger Swisscom-Mitarbeiter, ist seit 2017 Leiter des Amtes für Berufsbildung des Kantons St. Gallen Die IT-Bildungsoffensive des Kantons St. Gallen ist nur ein Element innerhalb der Strategie Fit4Future. Diese richtet sich an der "Berufsbildung 2030" des SBFI aus. Im St. Gallischen Fokus stehen die Kompetenzen und die Kompetenzbündelung.
  • Was soll an zukunftsgerichteten Berufsfachschulen in Zukunft angeboten werden?
  • Kompetenzzentren statt Berufsfachschulen?
  • Und wie koordinieren wir die Zusammenarbeit der Lernorte noch besser?
Präsentation Bruno Müller
Moderation Maximilian Koch
Adrian Krebs ist Geschäftsführer von gateway.one. Dieses Berufsbildungsnetzwerk bietet neben vielen anderen Produkten auch den Multicheck an. Nathalie Meier-Schneider ist Präsidentin der Oberstufenlehrpersonen im Kanton St.Gallen. "In einer zeitgemässen Personalrekrutierung sind Zeugnisse und Eignungsverfahren keine konkurrierende, sondern vielmehr ergänzende Verfahren", sagen die einen. "Konkurrenz!", meinen die andern.
  • Sind Schulzeugnisse noch nötig, wenn Firmen vor allem mit dem Multicheck rekrutieren?
  • Inwiefern können die beiden Systeme voneinander lernen?
Präsentation Adrian Krebs
Präsentation Nathalie Meier-Schneider
Moderation Kitty Kreienbühl-Lotz
Petra Hämmerle hat ursprünglich eine Ausbildung zur Hochbautechnikerin gemacht. Nach dem Studium der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften absolvierte sie eine Systemische Beratungsausbildung. Ihre Promotion beschäftigte sich mit dem Doktorat Lernen in Organisationen. Sie war mehrere Jahre Systemische Beraterin in der Geschäftsleitung der Frey Akademie Zürich Schlussprüfungen sind von gestern. Das «klassische» QV stösst bei der Beurteilung von Kompetenzen an seine Grenzen. Doch was sind die Alternativen? Das E-Portfolio ist eine mögliche Alternative, welche schon erfolgreich in verschiedenen Berufsfeldern angewendet wird. Dabei steht die Dokumentation des Erfahrungswissens und der aufgebauten Handlungskompetenzen und deren Überprüfung im Zentrum. Die Prüfungsform ist mehrdimensional und lässt eine valide Beurteilung von verschiedenen Kompetenzdimensionen zu.

Lassen Sie sich inspirieren.

Präsentation Petra Hämmerle

Moderation Melanie Salis
Frau Prof. Wittmann hat seit März 2015 den Lehrstuhl für Berufspädagogik der Technischen Universität München inne. Sie forscht unter anderem auf den Gebieten der technologiegestützten Messung beruflicher Handlungskompetenz und zu Praxisphasen in der Lehrerbildung und verantwortete die Kompetenz- und Aufgabenmodellierung im vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Verbund-Projekt zur technologiegestützten Entwicklung und Messung beruflicher Handlungskompetenz in der Pflege älterer Menschen. Das Forschungsvorhaben TEMA hatte die Entwicklung und Erprobung eines technologieorientierten Verfahrens zur Feststellung von beruflicher Handlungskompetenz in der Pflege älterer Menschen zum Thema. Es ging darum, ein Kompetenzmodell und konkrete Messinstrumente zu entwickeln, welche die beruflichen Kompetenzen zuverlässig und korrekt messen können. Um diese Herausforderung zu bewältigen wurden neben theoretischen Grundlagen und empirischen Kompetenzmodellen beruflichen Handlungssituationen genau analysiert. Die Kompetenzerfassung erfolgte realitätsnah mit Hilfe von Videos zu authentischen beruflichen Handlungen. In diesem Forum werden die entwickelten Messinstrumente vorgestellt und diskutiert.
  • Wie können wir berufliche Handlungskompetenz in der Pflege älterer Menschen messen?
  • Welche Chancen und Möglichkeiten ergeben sich aus neuen technologiebasierten Messverfahren?
  • Wo stossen wir an Grenzen?

Moderation Martin Keller
Rahel Räz ist seit Sommer 2013 als Projektleiterin/Lektorin und Programmleiterin (ABU) beim hep verlag tätig. Sie betreut die Buchprojekte für den allgemeinbildenden Unterricht. Seit 2008 unterrichtet Rahel Räz Allgemeinbildung an Berufsschulen. Im Sommer 2018 absolviert sie den Zertifikationslehrgang Medienpädagogik (CAS) an der FHS St.Gallen. Digitale Kompetenzen gehören zur Berufsfachschule. Aus diesem Grund muss auch digital geprüft werden. Rahel Räz zeigt auf, wo derzeit die Probleme bei digitalen Prüfungen liegen und präsentiert Lösungsansätze.
  • Wie kompatibel sind denn analoger Unterricht und digitale Prüfungen?
  • Und wie finden wir Lösungsansätze bei digitalen Prüfungen in Korrelation zu den Prüfungsreglementen?
Präsentation Rahel Räz

Moderation Christian Schlegel

Reservieren Sie sich jetzt schon den 07.12.2018.

     Kalendereintrag für das OKB-Symposium 2018

Die Geschäftsleitung des OKB

Patrizia Egli, Dr. Maximilian Koch, Melanie Salis, Dr. Martin Keller, Dr. Gregor Thurnherr, Christian Schlegel
(Auf dem Bild von links nach rechts)

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