Symposium 2015 » Erziehung und Bildung aus Sicht der Hirnforschung

Das Gehirn des Menschen ist -wie amerikanische Neuroforscher es nannten- ein «Social Brain», was konkret bedeutet: Die regelrechte Entwicklung des Gehirns bedarf hinreichend guter Beziehungserfahrungen. Das Gehirn des Jugendlichen macht aus Psychologie Biologie: Ohne erlebte Beziehung können die neurobiologischen Motivationssysteme nicht aktiv werden. Im Mittelpunkt der Beziehung zwischen Jugendlichen und ihren Bezugspersonen oder Mentoren stehen Spiegelungs- und Resonanzvorgänge. Jugendliche bedürfen jedoch nicht nur des «Gesehen-Werdens», sondern sollten ihrerseits zum Perspektivwechsel angeleitet und angehalten werden. Die regelrechte Reifung des Gehirns leidet nicht nur dann, wenn Jugendliche keine Beachtung und Zuwendung erhalten, sondern auch dann, wenn ihnen erspart wird, die Regeln des sozialen Zusammenlebens zu beachten.

Prof. Dr. Joachim Bauer
Uniklinikum Freiburg
Facharzt für Innere Medizin, für Psychiatrie + Psychotherapie und für Psychosomatische Medizin