Kognitiv Vermessen. Die Mathematisierung von Bildung ist ungenau und schafft falsche Anreize

Prof. Dr. Philipp Hübl hat Theoretische Philosophie an der RWTH Aachen, der Humboldt-Universität Berlin und zuletzt als Juniorprofessor an der Universität Stuttgart gelehrt. Er ist Autor des Bestsellers „Folge dem weißen Kaninchen … in die Welt der Philosophie“ (2012), des Buches „Der Untergrund des Denkens. Eine Philosophie des Unbewussten“ (2015) sowie von Beiträgen zu gesellschaftlichen und politischen Themen. Er publiziert unter anderem in der Zeit, FAZ, taz, NZZ, auf Deutschlandradio und Spiegel online. Im Herbst erscheint sein Buch Bullshit-Resistenz.

Die Tugenden der digitalen Zukunft sind Kreativität, soziale Intelligenz und kritisches Denken. In den Schulen und Universitäten wird aber eher leicht testbares, gradliniges Problemlösen unterrichte und gelehrt.
Auch die Messung von Lernerfolg durch standardisierte Tests ist problematisch, weil die Quantifizierung oft einen Eigenwert bekommt und Zahlen ein Niveau von Genauigkeit suggerieren, dass die Tests gar nicht abbilden können, wie psychologische Studien zeigen.
Ausserdem verkennt die Performance-Messung die Dynamik der Kompensation. Menschen, die beispielsweise an einer Rechtschreib- oder Zahlenschwäche leiden, sind im Berufsleben später oft umso erfolgreicher, weil sie als Kompensationsstrategie weichere Fertigkeiten wie Kreativität und Empathie entwickeln und verfeinern mussten. Standardisierte Tests würden solche Karrieren systematisch verhindern.

Geniessen Sie eine kleine Kostprobe…